Menstruelle Migräne – wenn die Periode zur Tortur wird

Menstruelle Migräne ist unterdiagnostiziert und untertherapiert - obwohl wirksame Therapien mittlerweise erprobt und verfügbar sind.
Stefka Lysk
Stefka Lysk
Stefka ist Head of Medical bei M-sense und studierte Psychologin. Sie behandelt Patienten ambulant psychotherapeutisch und hat einen Lehrauftrag für Entspannungsverfahren und Arzt-Patienten-Kommunikation an der Charité.
Nachtmodus

Die wichtigste Info vorab: es gibt zwei Formen der menstruellen Migräne! 

  1. rein menstruelle Migräne, bei welcher die Attacken ausschließlich zwei Tage vor oder während der Periode auftreten
  2. Menstruationsassoziierte Migräne: Attacken treten in der Mehrheit der Zyklen während der Blutung auf, zusätzlich aber auch zu anderen Zeitpunkten des Zyklus (z.B. um die Zeit des Eisprungs)
Menstruelle Migräne - Tampons

Menstruelle Migräne ist unterdiagnostiziert und untertherapiert, selbst in ärztlicher Behandlung

Studien zeigen, dass circa die Hälfte aller Menstruierenden regelmäßig während der Monatsblutung unter Spannungskopfschmerzen oder Migräneattacken leiden (Couturier et al). Bei ungefähr  60% der Migräniker*innen treten die Attacken gehäuft rund um die Monatsblutung auf (Pavlović et al).

Trotzdem ist die menstruelle Migräne eine deutlich unterdiagnostizierte Erkrankungsform. Oft vergehen viele Jahre bis die behandelnden Ärzt*innen den Zusammenhang zwischen dem Menstruationszyklus und den Migräneattacken erkennen. Problematisch daran ist, dass die richtige Diagnose auch die Voraussetzung für eine adäquate Behandlung darstellt.

Darum erleiden Frauen mit menstrueller Migräne oft unnötigerweise jahrelang schwere Attacken, obwohl wirksame Therapien mittlerweile erprobt und verfügbar sind. Damit reiht sich die menstruelle Migräne in die Riege unterdiagnostizierter und wenig bekannter zyklus-assoziierter Erkrankungen, wie Endometriose oder polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS), ein (Mechsner).

Länger, schwerer und schlechter zu behandeln:  der typische Verlauf von menstruellen Attacken

Menstruelle Migräne-Attacken unterscheiden sich in der Symptomatik nicht grundlegend von Attacken außerhalb des “Menstruationsfensters”. Allerdings verlaufen die menstruellen Attacken meist schwerer, sind häufiger von Übelkeit und Erbrechen begleitet und dauern länger an (nicht selten 2-3 Tage). Außerdem sprechen sie schlechter auf eine medikamentöse Akutbehandlung an. So kommt es z.B. nach der Einnahme von Triptanen meist zu einem sogenannten Wiederkehrkopfschmerz.

Studien zeigen auch zunehmend den hohen Leidensdruck und die starken Einschränkungen der betroffenen Frauen im Alltag, bei der Kinderbetreuung und im Berufsleben hin. Dabei scheinen prämenstruelle Attacken, welche 1-2 Tage vor Beginn der Menstruation auftreten, am schwersten zu verlaufen (Vetvik).

Menstruelle Migräne - Wolken

Hormone als Trigger: Was wir bisher über Ursachen der menstruelle Migräne wissen

Die Menstruation ist der meistverbreitete Trigger von Migräneattacken bei Menstruierenden. Grund dafür scheint der prämenstruelle Abfall, und somit die starke Veränderung,  des Östrogenspiegels zu sein. Dabei ist nicht der absolute Wert des Östrogenspiegels von Bedeutung, sondern die Höhe der hormonellen Veränderung.

Bild: M-sense kostenfrei testen

Zum Beispiel zeigt sich während der Schwangerschaft eine deutliche Verbesserung der Migräneerkrankung ab dem vierten Monat. Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Östrogenspiegel eingependelt. Allerdings kommt es wiederum im Wochenbett, nach dem postnatalen Abfall des Östrogenspiegels, zu einer erhöhten Attackenwahrscheinlichkeit.

Für viele ein Grund zu Hoffnung: Nach der Menopause pendelt sich der Östrogenspiegel auf einem neuen, niedrigen Niveau ein und die Attacken verschwinden nicht selten ganz (Calhoun).

Was kann ich tun? Und wie kann mich M-sense Migräne unterstützen?

Vermutest du einen Zusammenhang zwischen deinem Zyklus und deinen Attacken, solltest du über mehrere Monate hinweg täglich einen Kopfschmerz- und Zykluskalender führen. Beides ist in M-sense Migräne integriert. Auch stellt dir  M-sense Migräne Analysen über das Auftreten von Attacken während der Menstruation zur Verfügung.

Natürlich solltest du einen Termin bei der Frauenärztin vereinbaren, um mit ihr/ihm die Möglichkeiten der medikamentösen Akutbehandlung oder Prophylaxe zu sprechen.

Während der Attacken helfen neben den schmerzlindernden Medikamenten auch Ruhe und Entspannungs- oder Imaginationsübungen. In M-sense Migräne findest du z.b. eine Auswahl an speziell für akute Schmerzen entwickelten Imaginationsübungen, bei welchen du, alleinig durch deine Vorstellungskraft, die Schmerzen lindern kannst. Und das gute daran: die Übungen wirken auch gegen Periodenschmerzen!

Quellen

Couturier, E., Bomhof, M.A., Knuistingh Neven, A. & von Duijn, N.P. (2003) Menstrual migraine in a representative Dutch population sample: prevalence, disability and treatment. Cephalalgia, 23, 302-308.

 Pavlović, J. M., Stewart, W. F., Bruce, C. A., Gorman, J. A., Sun, H., Buse, D. C., & Lipton, R. B. (2015). Burden of migraine related to menses: Results from the AMPP study. Journal of Headache and Pain, 16(1),  https://doi.org/10.1186/s10194-015-0503-y

 Mechsner. 2016. Endometriose. Eine oft verkannte Schmerzerkrankung. Der Schmerz

 Vetvik, K. (2015) Menstrual versus non-menstrual attacks of migraine without aura in women with and without menstrual migraine. Cephalalgia

 Calhoun (2018) Understanding Menstrual Migraine. Headache currents. AMerican Headache Society. 

https://www.dmkg.de/files/dmkg.de/Empfehlungen/030057_LL_Migra%CC%88ne_2018.pdf