#MigraineFaces - Schönfelder: In Ausnahmesituationen entspannt zu bleiben, ist mein Erfolgsrezept!

Wer kann eine Krankheit besser erklären als jemand, der sie hat? Wer unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidet, wird oft selbst zum Experten. Deshalb stellen wir jeden Monat ein #MigraineFace vor.

Hier erzählt uns Schönfelder, wie man mit Migräne umgeht.

Macht mit: Teilt eure Migräne-Geschichten und -Gesichter mit dem Hashtag #MigraineFaces auf Facebook, Instagram oder Twitter – ungeschminkt oder stilisiert, alles ist erwünscht.

Wenn du auch mal Fragen zu deinen Kopfschmerzen beantworten willst, schreibe einen Kommentar oder schicke uns eine E-Mail an kontakt@m-sense.de.


Vorname: Schönfelder
Tätigkeit: Gesundheits- und Krankenpfleger, Praxisanleiter
Kopfschmerzart: Migräne, links betont
Häufigkeit der Attacken: 1 bis 2 Mal im Monat, in den Sommermonaten häufiger. Zur Zeit unregelmäßig.


So ergeht es Schönfelder mit der Migräne:

Wie wirkt sich die Migräne auf deinen Alltag aus?

Ich glaube ich bin seit 1 1/2 Monaten symptomfrei, und es ist keine neue Attacke aufgetreten. Aber wenn ich eine Attacke habe, fühle ich mich eingeschränkt. Ich denke bei Migräne immer: Schaffe ich das noch?

Man versucht mit allen Mitteln, mit Kaffee, Fritz-Kola, Bewegung, frischer Luft und möglichst ohne Tabletten den Tag zu meistern. Der beste Fall wäre sogar, schöne Dinge dabei zu erleben. Doch die Frage der Frage ist immer zuerst: Wie schaffe ich es, diese 2 ½ Tage überhaupt zu überstehen.

Der Alltag ist schwer zu bewältigen. Da man, trotz bester Sehkraft, nur ein schlechtes Sehfeld hat, seine Reaktionskraft dramatisch gesunken ist, und man merkt: “DENKEN, wie geht das?”

Ich gehe einfach los, ohne dabei zu funktionieren. Also im Geschäft vor dem Regal stehen und einfach stehen, obwohl man eigentlich einen Tag davor noch in diesem Regal ein Produkt kaufen wollte.

In der Großstadt ist es immer eine besondere Herausforderung. Selbst die normalsten Geräusche werden zu Qual. Der Kopf ist nur am Hämmern und Dröhnen.

Man läuft irgendwo hin, aber ob das der richtige Weg ist? Man weiß es zu diesem Zeitpunkt nicht. Auch Bezahlen an der Kasse: wie war nochmal mein PIN? Bahn fahren? Welche war das nochmal. Oh, doch richtig!

Die normale Abläufe, die man täglich tut, die werden bei mir bei einer Migräne zu Qual.

Meistens haben die Menschen in Hamburg Mitleid, geben dir Zeit und helfen im Notfall, sodass mir da eine Sorge abgenommen wird.


Schönfelder unterwegs
Mit Migräne in der Großstadt - Bild von Schönfelder, privat.

Greife ich zu Medikamenten, dann Triptane. Huuuhhhh. Gute Nacht. Das wars. Da läuft auch nichts mehr. Da bin ich einfach froh, zu Hause und mit meiner Kuscheldecke im Bett zu sein. Denken klappt da schon eher, aber nicht mehr Laufen. Wie bei den älteren Herrschaften: Entweder Hirn läuft, du kannst aber nicht mehr Gehen, oder Hirn schwabbelig, aber dafür kannst du noch laufen.

Wie reagieren Arbeitgeber, Freunde oder Kollegen?

Mit der Arbeit habe ich so eigentlich keine Probleme. Da einige meiner Kollegen auch an Migräne erkrankt sind, tauscht man sich aus, zeigt Empathie oder auch Interesse. Man bestellt sich gegenseitig Medikamente. Alles Locker.

In der Vergangenheit hat mich der Stress aber manchmal hart getroffen. Durch den hohen Anspruch an Pflegekräfte auf unserer Station steigt manchmal das Arbeitspensum ins Unendliche. Dauermüdigkeit, Schlafstörungen... und deren Folgen. Ständig ging ich zur Arbeit, und nach Hause, mit der Angst eine neue Migräne zu bekommen. Ich hatte mir schon extra die Medikamente überall mitgenommen. Ständig war ich für einen Anfall bereit.

Doch mit allen Mitteln – wie Koffein, Musik mit tiefen Bässen hören, Urlaub nehmen – habe ich es jetzt geschafft, ständige Anfälle zu vermeiden. Aber es war ehrlich gesagt ein Kampf.

Ich bleibe weiterhin am Ball, um die Entspannung beizubehalten. Dafür sorgt aber auch mein kleiner Freund, das Meerschweinchen. Er spiegelt mein Verhalten wieder, sodass ich es merke, wenn ich aufgedreht bin, sodass ich reagieren kann und mein Verhalten für ihn und damit auch für mich verbessern kann.


Kann ein Haustier bei Migräne helfen?
Kann mir ein Haustier bei Migräne helfen? Die Antwort auf die Frage, ob ein Haustier auf Migräne-Betroffene einen positiven Einfluss hat, kann man ganz klar mit Ja beantworten. Dass Hunde und Katzen dem Menschen generell körperlich und seelisch gut tun, wurde bereits in diversen Studien über Haustierbesitzer nachgewiesen!

Manchmal reicht es da dann auch einfach, unseren gemeinsamen Lieblingsfilm anzuschauen.

Wie wirkt sich der Ausnahmezustand Coronavirus denn auf dich aus?

Auf Arbeit sehe ich dem Coronavirus zur Zeit noch entspannt zu. Aufhalten kann man ihn nicht. Aber ich kann alles versuchen, meine geriatrischen Patienten und meine Kollegen vor dem Virus zu schützen.

Ich bin ständig, täglich, mit meiner Chefärztin und Stationsleitung im Gespräch wie es weiter geht.

Was schränken wir ein, was passiert als nächstes. Zum Glück sind wir bis jetzt noch frei. Und dadurch das ich das wohl entspannt angehe, bleibt die Migräne ruhig.

Bis vor dem plötzlichen Ausbruch der Klopapierkatastrophe hatte ich doch ganz schön damit zu kämpfen, die Migräne zu verhindern. Immer wieder versuchte sie an meiner Tür zu klopfen, die Auras waren schon da und ich brauchte vermehrt Koffein.

Ich kann nicht sagen, ob sich mein Gehirn schon einen Plan ausgedacht hatte, wie sich das entwickeln könnte, und was es sich selbst zum Schutz ausgedacht hatte. Jedenfalls ratterte es in dieser Zeit nur so in meinem Gehirn.


Wie Stress das Gehirn bei Migräne verschleißt und wie man dem entgegenwirkt. BIld von Johannes Windolph
Wie Stress das Gehirn bei Migräne verschleißt und wie man dem entgegenwirkt: Stress und Entspannung, wieviel von beidem ist für Kopfschmerz- und Migräne-Betroffene gut? Und warum ist es sinnvoll, Stress aktiv zu begegnen?

Jetzt wo die Klopapierkatastrophe ausgebrochen ist, sehe ich aber vermehrt Entspannung in meinem Gehirn. Die Hamsterkäufe verstehe ich aber bis heute nicht...

Warum sprichst du über deine Migräne?

Normal halt, oder?

Wie wichtig ist dir der Austausch mit anderen Betroffenen für dich und wo tauscht du dich aus?

Erstmal tausche ich mit meinen Kollegen aus. Aber da wir alle mit dem medizinischen Hintergründen bewandert sind ist es schwer uns auszutauschen. Da helfen wir uns eher mit empathischen Gesprächen.

Und sonst gebe ich gerne Beratung in den sozialen Netzwerken, besonders stark vertreten auf Twitter. Sodass Menschen, die wenig Ahnung von Migräne haben, das Gefühl bekommen, dass sie nicht allein sind.

Die Rückmeldung bestärkt mich weiter darin, mich mit meiner Migräne zu beschäftigen und über mich selbst zu philosophieren.

Was hast du gegen die Krankheit probiert und was hat geholfen?

Versuch #1: Die Wände wechseln!

Urlaub machen, ohne dabei in Familien- oder Touristenstress zu landen. Das ist bei meinen Verhältnissen schwer, denn ich komme aus und wohne in einer Touristenregion. Also raus aus Norddeutschland, irgendwo anders hin.

Klappt nicht. In England knallte es erstmal richtig mit der Migräne und in Potsdam wollte die Migräne auch mal vorbeischauen.

Versuch #2: Koffein reduzieren.

Mein Kopf so: “Äh, nein Was machst du. Bist du des Wahnsinns. Her mit der Fritz Kola, sonst knallt es!”

Versuch #3: Das Leben trotz Migräne einfach so genießen wie es kommt.

Keinen Wert auf Zeit legen, sich weniger Sorgen machen. Wenn du zu spät auf Arbeit bist, dann ist es so. Morgens halb 2... Ja, und? Schlafen ist cool. Hauptsache ist doch: Es gibt genügend Kekse auf dieser Welt.

Und das war das Erfolgsrezept.

Hast du einen Tipp, den du anderen Betroffenen mitteilen willst?

Lass die Nicht-Betroffenen auch nicht alleine, denn sie leiden mit.

Carol Kacperski
Carol Kacperski

Carol ist Teil des Marketing-Teams von M-sense. Als Literatur- und Kulturwissenschaftlerinhat sie ein Talent dafür, die Dinge charmant auf den Punkt zu bringen. Bei M-sense liebt sie das posten, sharen und vor allem das Gefühl, etwas Sinnvolles zu bewegen.

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