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#MigraineFaces: Franziska – Ich bin fast eine Art Migräne-Telefon

Sie meldet sich nur ungern krank, da sie ihre Kollegen nicht belasten will. | Selbstportrait von Franziska

Carol Kacperski
Carol Kacperski

Carol hat Literatur- und Kulturwissenschaften studiert und ein Talent dafür, die Dinge charmant auf den Punkt zu bringen. Bei M-sense liebt sie das posten, sharen und vor allem das Gefühl, etwas Sinnvolles zu bewegen.

Viele Migräne-Betroffene fühlen sich unverstanden und nicht ernst genommen. Ob in der Schule belächelt, im Familien- und Freundeskreis missverstanden oder im Job ausgegrenzt, etwa neun Millionen Deutsche, die unter der chronischen Krankheit leiden, kämpfen täglich gegen Vorurteile. Deswegen wollen wir aufklären.

Und wer kann eine Krankheit besser erklären als jemand, der sie hat? Wer unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidet, wird oft selbst zum Experten. Deshalb stellen wir monatlich einer M-sense NutzerIn 5 Fragen.

Hier erzählt uns Franziska, wie sie mit ihrer Migräne umgeht.

Macht mit: Teilt eure Migräne-Geschichten und -Gesichter mit dem Hashtag #MigraineFaces auf Facebook, Instagram oder Twitter – ungeschminkt oder stilisiert, alles ist erwünscht.

Wenn du auch mal Fragen zu deinen Kopfschmerzen beantworten willst, schreibe einen Kommentar oder schicke uns eine E-Mail an kontakt@m-sense.de.


Vorname: Franziska

Tätigkeit: Betreuerin (in einer Wohngruppe für Hirnverletzte)

Kopfschmerzart: Migräne, Spannungskopfschmerz

Häufigkeit der Attacken: 1 bis 2 Attacken pro Monat, jede bis zu 3 Tage lang



So geht es Franziska mit ihrer Migräne:

Wie wirkt sich die Migräne auf deinen Alltag aus?

Frag nicht, wie es manchmal in meiner Wohnung aussieht. Alles bleibt dann liegen, damit es mir gut geht. Ich schäme mich, weil der Haushalt nicht poliert ist und möchte auch lieber keinen Kontakt, um nicht blöd dazustehen, wenn Besuch kommt.

Ich verabrede mich manchmal nicht mit gewissen Kollegen, damit ich nicht zugelabert werde, weil das sehr viel von meinem Puffer aufbraucht.

»Wenn ich nur als Abladefläche benutzt werde, kann das schon einiges auslösen. Austausch hingegen tut mir gut.«

Mit Freunden, die selbst von Schmerz oder chronischen Krankheiten betroffen sind, mache ich mehr ab oder chatte, weil sie gut damit umgehen können, wenn ich nicht so fit bin. Das Zusammensein steht dann im Mittelpunkt, auch wenn sonst nicht viel dabei geschieht.

Dank meinem Medikament falle ich nicht aus, bei der Arbeit. Ich sollte mich aber vielleicht hin und wieder einen Tag krank melden. Das denke ich jedenfalls, wenn ich mich wieder drei Tage mit Migräne durch die sehr pflegelastige Arbeit gescheucht habe.

Ich schaffe es aber nicht, wenn es doch geht, mich krank zu melden. Da habe ich ein schlechtes Gewissen. Mit Migräne arbeiten zu gehen ist nicht leicht. Meine Führungsverantwortliche kennt Migräne, daher muss ich ihr nichts erklären. Trotzdem behalte ich es meistens für mich, wenn ich eine Attacke habe. Ich möchte die Kollegen nicht mit dieser Botschaft belasten.

»Die schönsten Komplimente bekomme ich, wenn ich mich gerade noch irgendwo stützen kann, bevor ich mich hinlegen muss. 'Du siehst ja toll aus!' Vielen Dank auch. Wahrscheinlich leuchten dann die roten Wangen besonders dekorativ aus dem bleichen Gesicht.«

Meine Familie reagiert meist nicht besonders auf meine Migräne. Es gibt einige Personen mit Kopfschmerzen, trotzdem ist es kein Thema. Ich sage einfach, wenn ich nicht viel Energie habe, das wird auch akzeptiert. Wenn es etwas lustiges gibt zum Thema, dann bekomme ich Bescheid.

Warum sprichst du über deine Migräne?

Weil erst dann weitere Betroffene aus meinem Umfeld sich meldeten und meist froh waren, sich austauschen zu können. Andere sind erstaunt über das heutige Wissen zu Migräne oder haben einiges Grundlegendes nicht gewusst.

Auch haben schwerstbetroffene Freunde, die nicht mehr weiter wussten, wieder Mut bekommen und stellten sich noch einmal der Herausforderung, ihre Migräne wieder neu anzugehen. Das macht mir besondere Freude, wenn ich Menschen dazu ermutigen kann, dass sie ihre Gesundheit wieder in die Hand nehmen.

»Zwischendurch bin ich fast eine Art Migräne-Telefon für mein betroffenes Umfeld. Durch den Austausch lerne ich oft dazu.«

Allerdings ist neue Information zu sammeln für mich teilweise fast wichtiger als dieser Austausch, gerade im Internet. Dementsprechend lese ich gerne in Blogs die Dialoge, mag mich selbst aber nicht groß daran beteiligen.

Aber ich bin gerne für andere da die Austausch brauchen. Indirekt profitiere ich davon und erhalte mehr Wissen oder mehr Erfahrung. Ich lese mich gerne durch die Dialoge auf der Website der Kieler Schmerzklinik, oder auf den Facebook- und Instagram-Seiten von Bianca Leppert, Gewitter im Kopf und M-sense.

Was sind deine persönlichen Auslöser? Wie gehst du mit ihnen um?

Ich sehe Trigger sehr situativ. Es könnte sich um Stress – zum Beispiel, weil ich mich selbst stresse – und zu wenig Schlaf handeln, sowie zu wenig Zucker. Sonst kann ich keine direkte zeitnahe körperliche Wahrnehmung bemerken.

Solange nicht alles miteinander zusammenkommt, kann ich es ganz gut schaukeln. Bin ich zu früh aufgewacht oder konnte nicht einschlafen, halte ich mich bewusst innerlich entspannt. Dann achte ich noch mehr auf eine gute Versorgung mit Nährstoffen. Meistens komme ich damit gut klar.

»Was ich nicht bewältigen kann derzeit: Wenn ich nicht so fit bin und ein, zwei freie Tage habe ohne fixes Programm, dann ist eher Gefahr einer Attacke. Seichte Aktiv-Erholung ist oft sicherer.«

Wenn ich alle meine persönlichen Prophylaxe-Punkte beachte, kann ich die Frequenz meiner Migräne-Attacken wieder ordentlich senken. Mir zuliebe halte ich mich an einiges, wie zum Beispiel: keinen Alkohol, keine langen Partys, wenn möglich keine laute Umgebung und keine emotionalen Kapriolen, welche nicht sein müssen. Zudem überfordere ich mich auch möglichst nicht, sage lieber zuvor: heute nicht.

Benutzt du eine Migräneapp?

Ich habe nun mit dem neuen Monat vor, täglich meine Scharmützel in M-sense einzutragen. So kann ich dank eurem Kopfschmerztagebuch klarer sehen, was alles los ist bei mir. Damit ist mir auch klar geworden, was hier 'chronisch' zu suchen hat. Vor kurzem hätte ich noch behauptet, zwischen den Attacken überhaupt nichts zu spüren von Migräne, die wäre nur bei Attacken aktiv. Ich wäre nur sehr sensibel und feinfühlig. Nun trage ich bei Notizen ein, was ich alles für 'Störungen' wahrnehme und finde fast täglich etwas.

Ich finde den transparenten Kontakt zu den Nutzern und die rasche und gezielte Anpassung an deren Wünsche und Bedürfnisse spiegelt sich in der Aufmachung und Organisation der M-sense App wieder.

Franziska während einer Migräne-Attacke. | Bild: Privat

Franziska während einer Migräne-Attacke. | Bild: Privat


Was hast du gegen die Krankheit probiert und was hat geholfen?

Ich nehme täglich mindestens 200mg Magnesium (habe die ersten zwei Monate 300-400 genommen), 1 Tablette Vitamin B Komplex, und trinke mindestens zwei Liter Wasser – lieber mehr.

Ich habe immer etwas zu Essen bei mir. Oder ich esse alternativ vier Portionen am Tag. Ich habe auch einen Monat Histamin frei gegessen, was mir gut getan hatte, da sich meine Auswahl zuvor stark auf histaminhaltige Nahrungsmittel konzentrierte.

Seither schaue ich auf eine ausgewogene Einnahme von histaminhaltigen Nahrungsmittel oder Freisetzer (z. B. wenn Banane, dann nicht auch noch Ananas, Avocado und Tomate). Ich nehme auch keine Süssstoffe zu mir, kaufe keine Fertigwaren. Auch auf meinen Kaffee-Konsum achte ich.

»Es gibt nicht mehr als 5 Kaffees am Tag (lol), sonst bin ich auf der Kippe. Oder ich war auf der Kippe, deswegen sehr müde und trank daher Kaffee in Endlosschleife, wer weiß.«

Nach dem Duschen noch die Füße nach Kneipp abbrausen, aufsteigend möglichst warm, nur bis an die Fußknöchel hoch. Keinen Hitzestau am Kopf / Nacken produzieren und keine kalten Füße zulassen. Mit den Schlafzeiten im Rahmen bleiben.

Wenn es kritisch ist versuche ich es mit nochmals Magnesium und Vitamin B, viel Wasser, langkettigen Kohlenhydraten wie zum Beispiel dunkle Teigwaren, frische Luft, und pünktlichem Schlafen.

Im April war ich das erste Mal beim Arzt wegen Migräne, da ich über den Winter vermehrt Migräne hatte (1-2 Attacken im Monat, gegenüber wenigen im Jahr zuvor). Meine Psyche war am Anschlag nach einer Attacke mit zwei Tagen Erbrechen. Ich habe nach gefühlten drei Fragen vom Arzt direkt Imigran Nasal 20mg Nasenspray (Sumatriptan) erhalten, ein Pack mit zwei Dosen, um zu testen ob es bei mir wirkt. Erfolgreich blieb dann alles im Magen und ich hatte nur noch etwa halb so starke Symptome zwischen Kopf und Schultern, der Rest des Körpers blieb verschont.

»Eine Dosis Sumatriptan Nasenspray reicht für mich für eine dreitägige Attacke, da sie zwar nicht weg ist, aber auch nicht wieder schlimmer wird. Rezeptfreie Schmerzmittel nehme ich meist nur zu Beginn, weil sie bei mir nur kurz oder schwach wirken.«

Da ich keine neurologischen Ausfälle habe, kann ich sagen: Ohne Erbrechen geht es mit dem Triptan immer irgendwie. Aber wenn ich nicht Arbeiten muss, bleibe ich zu Hause auf dem Sofa und tue wenn möglich nichts.