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Migräne in der Stillzeit

Mona Kattwinkel
Mona Kattwinkel

Mona ist Studentin, Bloggerin und nicht zuletzt Migräne-Expertin. Sie leidet an Migräne seit dem sie 8 Jahre alt ist und engagiert sich als Mitglied einer Selbsthilfegruppe für Migräne innerhalb der MigräneLiga e.V. Deutschland.

Bei den meisten Frauen bessert sich Migräne während der Schwangerschaft, die Attacken werden seltener, weniger schmerzhaft oder bleiben manchmal sogar ganz aus. Das Glück hatte ich in den ersten sechs Monaten meiner Schwangerschaft leider nicht, dafür aber wenigstens in den letzten drei. Wie ich die Schmerzen ohne Medikamente überstanden habe, erzähle ich u.a. in meinem Artikel über Migräne in der Schwangerschaft.

Meine größte Horrorvorstellung war allerdings Migräne während der Geburt - das blieb mir glücklicherweise erspart. Da sich auch das Stillen positiv auf Migräne auswirken kann, hatte ich natürlich auch die Hoffnung, dass sich meine Attacken in der Stillzeit bessern würden. Besonders, da bei meiner Mutter nach meiner Geburt die Migräne komplett verschwunden ist.


Hormonelle Schwankungen im Wochenbett können Migräne auslösen

Eine Geburt ist meistens einer der emotionalsten, aber auch körperlich anstrengendsten Momente im Leben einer Frau. Danach braucht es noch einige Zeit, bis das Gewebe heilt, sich die Gebärmutter zurückbildet, und die erlebten Momente verarbeitet sind. In der Zeit des Wochenbetts können Hormone und Gefühle Achterbahn fahren. Die ersten Wochen nach der Geburt war mein Körper jedenfalls mit der Heilung, der Rückbildung und der Erholung beschäftigt.

Diese hormonellen Schwankungen können natürlich auch Spannungskopfschmerzen und Migräne-Attacken auslösen. Bei manchen Frauen, die während der Schwangerschaft von ihrer Migräne verschont blieben, traten die Attacken im Wochenbett wieder auf. Mediziner vermuten, dass die Ursache eventuell im vermehrt ausgeschütteten Hormon Prolaktin liegt, ein Botenstoff, der die Milch in den Brüsten bildet.


Hilft Stillen gegen Migräne?

Bei vielen Frauen, die Migräne haben, verringert sich die Schwere und Häufigkeit der Kopfschmerz- oder Migräne-Attacken während der Stillzeit. Der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring sagt dazu:


"Bei vielen Migräne-Patientinnen hat Stillen einen positiven Effekt auf die Erkrankung und kann daher auch vor diesem Hintergrund nur empfohlen werden".


Das geht allerdings nicht allen so, bei einigen Betroffenen lösen die mit dem Stillen einhergehenden hormonellen Schwankungen zusätzlich Attacken aus. Es scheint also – wie so oft bei Migräne und Kopfschmerzen – sehr unterschiedlich und von Person zu Person anders zu sein.

Migränefreie Monate nach der Geburt

Bis auf leichte Kopfschmerzen ließ mich die Migräne für ganze zweieinhalb Monate in Ruhe – abgesehen von einer Aura, die ich sieben Wochen nach der Geburt hatte. Ich war beim Frauenarzt zur Nachuntersuchung. Als ich mich gerade auf den Rückweg nach Hause machen wollte, sah ich mit meinem linken Auge einen kleinen, leicht flackernden Punkt. Nach wenigen Minuten vergrößerte sich der Fleck und mutierte zu einem weiß bläulich blitzenden zickzackförmigen Halbkreis, den ich sowohl mit offenen als auch geschlossenen Augen sah. Ein Gefühl, das mich zunächst einmal in Angst und Schrecken versetzte. Nach knapp 30 Minuten verschwand diese Aura wieder aber wieder, und es folgten zum Glück auch keine Schmerzen oder Übelkeit.



Migräne mit Baby

Während der ohnehin schmerzhaften Geburt zusätzlich noch eine Migräne zu bekommen, war Monas absolute Horrorvorstellung.



Wenige Migräne-Medikamente sind während der Stillzeit erlaubt

Ebenso wie in der Schwangerschaft, soll man auch in der Stillzeit möglichst auf medikamentöse Methoden zur Migränebehandlung verzichten und auf sanftere Alternativen zurückgreifen.


Muss doch ein Schmerzmittel her, sind Ibuprofen oder Paracetamol das Mittel der Wahl. In Ausnahmefällen – und nur unter ärztlicher Überwachung und Anleitung – kann Sumatriptan eingenommen werden. Jegliche Medikamenteneinnahme sollte aber immer immer mit dem Arzt besprochen werden.

Alternative Behandlungen, die gegen Migräne in der Stillzeit helfen

Regelmäßige Bewegung, eine ausgeglichene Lebensführung, regelmäßige Mahlzeiten und Entspannungsübungen können vorbeugend wirken und die Häufigkeit und Schwere von Migräne-Attacken verbessern.

Regelmäßigkeit

Eine ausgeglichene Lebensführung ist bei Migräne immer von Vorteil. Regelmäßige Schlafzeiten oder eine gute Schlafqualität sind in der Stillzeit eher Glückssache, aber zum Beispiel kann man auf regelmäßige Einschlafzeiten und Mahlzeiten achten. Solche potentiellen Auslöser behält man am besten mit einem Kopfschmerztagebuch im Blick - analog, digital oder per App. (Der Vorteil bei einer Migräne-App wie M-sense ist, dass man seine Einträge auch während des Stillens machen kann ;)).

Entspannungsübungen

Durch gezieltes Entspannungstraining, wie z.B. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenem Training oder Atem-Meditation, kann sich die Muskulatur entspannen, Stresshormone abgebaut und körpereigene Schmerzabwehrsysteme regeneriert werden.

Ausdauersport

Ausdauersport ist ebenfalls eine gute Methode, um Migräne- und Kopfschmerz-Attacken vorzubeugen. Mit Schwimmen, Radfahren, Walking oder leichtem Joggen kann man ja bereits in den ersten Monaten nach der Geburt wieder beginnen. Erfolge können sich jedoch bei solchen alternativen Behandlungsmethoden nur dann einstellen, wenn die Übungen regelmäßig über einen längeren Zeitraum ausgeführt werden.

Akupunktur

Akupunktur zeigt bei einigen ebenfalls eine gute Wirksamkeit in der Schwangerschaft und Stillzeit, und kann ohne weitere Bedenken angewandt werden.

Magnesium

Hochdosiertes Magnesium kann ebenso in der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden. Das Nahrungsergänzungsmittel entspannt die Muskeln, wirkt entzündungshemmend, stabilisiert den Blutdruck und beruhigt das Nervensystem. Außerdem können kühlende Kompressen, sanfte Gesichtsmassagen und beruhigende ätherische Öle (wie Pfefferminz- oder Lavendelöl) zur Linderung beitragen.


VORSICHT: Ätherische Ölen können Babys schaden!

Olbas, ein ätherisches Öl bestehend aus Pfefferminz-, Cajeput-, und Eukalyptusöl hilft mir persönlich immer super bei meinen Attacken. Großzügig trage ich das Öl auf meine Stirn, Schläfen und Nacken auf. Das war in der Schwangerschaft, neben Magnesium, das Einzige, das mir half, trotz der Schmerzen in den Schlaf zu finden. Nichts ahnend benutzte ich Olbas weiterhin auch in der Stillzeit. Bis mein Baby einen trockenen Reizhusten bekam. Da es aber sonst keinerlei Erkältungssymptome zeigte, ging ich davon aus, dass eventuell das Öl der Übeltäter sein könnte. Nach Absprache mit meiner Hebamme und meinem Kinderarzt fand ich heraus, dass ätherische Öle wie Eukalyptus-, Menthol-, Thymian-, Kampfer-, Fichten- oder Terpentinöl (die übrigens auch häufig in Erkältungstropfen oder -salben enthalten sind) schwere gesundheitliche Schäden bei Babys und Kleinkindern hervorrufen können.

Bereits wenige Tropfen unverdünnter ätherischer Öle in Mund oder Nase des Kleinkindes können die Atemwege reizen und sogar lebensbedrohliche Verkrampfungen des Kehlkopfes und Atemstillstand verursachen.

Ich hatte bei meiner Anwendung natürlich immer darauf geachtet, dass das Öl nicht an oder in seine Schleimhäute gerät, jedoch lag der Geruch in der Luft und das reichte scheinbar schon aus, um die Atemwege meines Babys zu reizen. Olbas wurde nun selbstverständlich aus unserem Haushalt verbannt und seitdem ist auch der Reizhusten verschwunden.




Migräne in der Schwangerschaft

Migräne in der Schwangerschaft belastet nicht nur die werdende Mutter, sondern auch das Kind. Da die Einnahme von Schmerzmitteln für Schwangere quasi tabu ist, bleiben nur noch sanftere Behandlungsmethoden als Alternative.



Die erste Migräne-Attacke in der Stillzeit

Auch schon vor meiner Schwangerschaft litt ich an hormoneller Migräne und hatte zuverlässig um meinen Eisprung und meine Periode herum Attacken. Ungefähr drei Monate nach der Geburt bekam ich zum ersten Mal wieder meine Menstruation – und damit auch meine erste richtige Migräne-Attacke. Der Traum, meine Migräne wäre vielleicht nach der Schwangerschaft komplett verschwunden, so wie das bei meiner Mutter der Fall war, war nun leider zerplatzt.


Migräne und Stillen: Die reine Folter!

Oft fragen mich Leute, wie es ist, Migräne zu haben und sich um ein so kleines Baby kümmern zu müssen. Ich sage ihnen dann, sie sollen sich folgende Szene vorstellen: Du hast unaushaltbare Schmerzen. Es fühlt sich so an, als würde dir jemand im Rhythmus deines Herzschlags einen Hammer auf deinen Kopf hauen, immer und immer wieder. Licht brennt dir in den Augen, Lärm tut dir in den Ohren weh. Dir ist übel und du erbrichst. Endlich schläfst du vor Erschöpfung und Kraftlosigkeit ein, spürst keine Schmerzen mehr. Und dann schreit dein Baby, laut und inbrünstig. Es hat Hunger. Du wirst wach, spürst erneut die heftigen Schmerzen, jemand haut dir einen Hammer auf deinen Kopf, immer und immer wieder. Endlich schläfst du vor Erschöpfung und Kraftlosigkeit ein, spürst keine Schmerzen mehr. Und dann schreit dein Baby, laut und inbrünstig. Es hat Hunger. Du wirst wach, spürst erneut die heftigen Schmerzen. Jemand haut dir einen Hammer auf deinen Kopf, immer und immer wieder. Endlich schläfst du vor Erschöpfung und Kraftlosigkeit ein, spürst keine Schmerzen mehr. Und dann schreit dein Baby. Und das alle zwei Stunden...


Die Vorteile vom Abstillen

Nach sechs Monaten Stillen beginnen wir nun langsam mit Beikost und ersetzen nach und nach eine Stilleinheit mit Brei.

So gerne ich auch stille und diese innigen und intimen Momente mit meinem Baby liebe, so sehr freue ich mich auch darauf, meinen Schmerzen nicht mehr so hilflos ausgesetzt zu sein.

Denn sowohl in meiner Schwangerschaft, als auch in der Stillzeit verzichtete ich meinem Sohn zu Liebe komplett auf Schmerzmittel und Medikamente jeglicher Art. Nach nun mehr als 16 Monaten kann ich bald endlich wieder auf Schmerzmittel zurückgreifen und muss die schlimmen Schmerzen während der Migräne nicht mehr verzweifelt aushalten.

To be continued...

Wie sich meine Migräne in ihrer Intensität und Häufigkeit nach der Stillzeit verändert, wird sich zeigen. Es bleibt spannend, ich werde euch berichten...